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Können Sie vielleicht einen Schritt nach rechts rücken? Kurze Gedanken zu Dr. Carsten (Baal) Müller

Dass Neofolk und reaktionäre Ideologien schon (fast) immer eine starke Bindung aufwiesen, ist ein alter Hut. So sehr die MusikerInnen in ihrer Kunst zum Teil im Modus der Ambivalenz operierten, so sehr zerstörte die Szene sich, indem sie, zum großen Teil kritiklos, KünstlerInnen hofierte, die faschistische Ideologien und Ideologen feierten, im Publikum alles (bis hin zu Hitlergrüßen) duldete und sich Geschäftstreibenden hingab, die mit CDs Julius Evola, Thorak und Co. lobpriesen und damit auch noch ordentlich ihre Kassen füllten.

Über Bands wie „Von Thronstahl“ zu reden ist müßig und geht am aktuellen Geist der Szene vorbei. Es gibt sie aber, jene Akteure1, die der Szene die Stange gehalten haben – ebenso wie ihrer extrem rechten Ideologie.

Einer dieser Akteure ist Martin Lichtmesz aka. Martin Semlitsch, dem in einem anderen Artikel einige Worte gewidmet werden sollen.

Ein Anderer ist Dr. Baal Müller aka. Dr. Carsten Müller.

Es gibt Menschen, die verstecken ihre extrem reaktionäre und menschenfeindliche Ideologie und es gibt … naja, es gibt Menschen wie Baal Müller, die schlagen einem diese förmlich ins Gesicht.

Baal Müller ist seit Jahren auf vielen Neofolk-Veranstaltungen ein gern gesehener Gast. Er besuchte des Öfteren das Wave-Gotik-Treffen (oder wirkte aktiv mit). Bilder zeigen ihn beim WGT, bei Veranstaltungen der rechten Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“ sowie auf dem einst in Dresden, aktuell in Leipzig stattfindenden „Runes And Men“-Festival. Andere Fotos stammen vom „Villa Festival“ in Italien oder von Konzerten, wie dem der Band „Sagittarius“. Und der Dr. Baal ist kein abgegrenzter Außenseiter – im Gegenteil: Arm in Arm mit Uwe Nolte (Orplid, Barditus und Co.) oder Gerhard Hallstatt (Allerseelen) sowie dem Sänger der Band „Stern des Bundes“ oder dem Liedermacher Rudolf Seitner (Sonnenkind).

Allerseelen beim Villa Festival 2015   saggi villa

Neben dem Neofolk verfügt Baal Müller aber über eine große Palette weiterer Hobbys: Baute er vor Jahren noch bei RTL2 sein Haus um, so konzentriert er sich mittlerweile lieber wieder drauf, fast alle Organe der extremen Rechten mit Artikeln von sich zu bestücken. Und es ist, ähnlich wie bei Lichtmesz, dieser Moment, der bei Müller so stark heraussticht. Lichtmesz und Müller sind Role-Models der Szene. Rollenvorbilder, die die Grenze zwischen künstlerisch-ästhetischer Beschäftigung mit faschistischen Ideologien in eine realpolitische Dimension wenden.

Baal Müller trat im letzten Jahr bei verschiedenen Ablegern der Pegida auf. Unter anderem dem Leipziger sowie dem in Düsseldorf. Das alles ist kein Geheimwissen. Müllers Facebook-Profil ist voll von öffentlich einsehbaren Einträgen, die rechte Gewalt stark verharmlosen, obskure Verschwörungstheorien hofieren und immer wieder gegen Menschen hetzen. Baal Müller macht weder aus seiner Zugehörigkeit zur Szene noch zu seiner Sympathie und Zugehörigkeit zu extrem rechten Gruppierungen einen Hehl.

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Aber er ist ja nur ein Fan!?

Nein, Baal Müller ist eben nicht nur ein einfacher Konzertbesucher, sondern speist mit seinem Telesma Verlag und dessen Schriften aktiv die rechte Hegemonie in der Neofolk-Szene. Neben allerlei absonderlichen Schriften erscheint zum Beispiel im Jahr 2016 die deutsche Übersetzung von Gerhard Hallstatts Buch „Blutleuchte“ im Verlag. Müller und Hallstatt sind gute Freunde, was wohl auch an der politisch-ideologischen Nähe der beiden liegen mag.

Wie kann sich eine Szene, deren letzter Rettungsanker immer die Floskel war, dass ihre AnhängerInnen, egal welcher politischen Couleur, keine Gewalt ausüben, noch selbst ins Gesicht sehen, wenn in ihren engsten Zirkeln die schlimmsten Demagogen der Gewalt ein- und ausgehen? Dass Pegida, Legida und Co. nicht wortgewandter Diskurs, sondern die verbale Vorstufe der nächsten Pogrome sind, muss nach dem 11.01.2016 als unwiderlegbar angesehen werden.

Martin Lichtmesz, Baal Müller und Co. haben die Szene politisch bestärkt, indem sie rechte Ideologien im szeneinternen Diskurs normalisiert haben. Ein Faschist bleibt ein Faschist. Auch, wenn er die gleiche Musik hört.

Was haben wir von einer Szene zu erwarten, die Leute wie Baal Müller duldet und bei deren Konzerte die sogenannten „Identitären“ herumstolzieren?

Vielleicht ist der „Neofolk“ nicht der Soundtrack zur Apokalypse, zumindest aber zum nächsten Pogrom?!

1Die männliche Form ist eine bewusste Entscheidung, um auf die vorwiegend männlichen Akteure hinzuweisen.