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Der rechte Burgfrieden – Die Label „Castellum Stoufenbourc“ & „Lichterklang“

Im Jahr 2008 gegründet, ist das deutsche Label „Castellum Stoufenbourc“ eigentlich nie mehr gewesen als Vehikel von Dennis, dem Betreiber, die kreativen Ergüsse seiner Band „Waffenruhe“ unter die geneigten ZuhörerInnen zu bringen. Und es wäre müßig über diese Band und das Label zu schreiben (die doch schon mit ihrer ersten Split – zusammen mit der Band „Seuchensturm“1 auf dem Label „Skullline“ – diskutierbar bewies, wes Geistes Kind sie ist), wenn das Label und seine Protagonisten2 nicht eine Entwicklung in der Szene so mustergültig illustrieren würden: Die Zusammenarbeit des extrem rechten Randes der Szene mit den etablierten AkteurInnen in der Szene und die dergestalt in der Szene vorherrschende Etablierung und damit einhergehende Normalisierung extrem rechter Ideologien und ihrer ApologetInnen selbst.

Die Veröffentlichungen des Labels lassen sich, bis auf Ausnahmen wie zum Beispiel die italienische Gruppe „Lupi Gladius“, fast ausnahmslos dem Genre des Material-Industrial zuordnen. „Waffenruhe“, deren Releases ein Gros des Labeloutputs ausmachen, übernehmen den Begriff des „Material“ schon früh in ihrer Selbstbeschreibung, in der sie ihr Schaffen als „Militant Material Music“ klassifizieren. Alle Releases erscheinen in einer sehr begrenzten Stückzahl, jedoch dafür oftmals in detailverliebten und extrem aufwendigen Gestaltungen: Von handbemalten Boxen über Veröffentlichungen mit diversen Boni, wie Patches, Postkarten und Co., bis hin zu aufklappbaren Verpackungen und Wachssiegeln findet sich eine, für ein Undergroundlabel seltene, Fülle an Einfällen in der Gestaltung. Viele der Veröffentlichungen wurden in der graphischen Gestaltung von der „Graphikagentur“ „Bildkunstschmiede“ umgesetzt, hinter der sich Sig P. verbirgt (vgl. Anm. 1).

Die meisten Releases bedienen sich hierbei einer mehr als eindeutig konnotierten Bildsprache: So finden sich fast immer „Schwarze Sonnen“, in den Farben Schwarz, Weiß und Rot gehaltene Gestaltungen oder direkte Bezüge zu faschistischen und nationalsozialistischen Gruppierungen des 20. Jahrhunderts.3 Lediglich die noch zu besprechende Veröffentlichung „War Rituals“ der Band „Waffenruhe“, die in Zusammenarbeit mit dem – im deutschsprachigen Raum die Szene beherrschenden – Label „Lichterklang“ veröffentlicht wurde, übt sich in gestalterischer Schlichtheit.

Einen ersten Schritt, über die doch sehr eng gesteckten Kreise, die sich für Veröffentlichungen in diesem Bereich interessieren, machte das Label mit der Veröffentlichung der Compilation „Sturmreif – The New Underground Of Military Pop“, das in einer Auflage von 500 Stück zusammen mit dem Magazin „Stahlkraft – Propagandaorgan für Neofolkkultur“ herausgegeben wurde. Interessant ist hierbei, dass das Label – wenn auch erfolglos – versuchte, die eigene Szene und deren Klientel nicht nur musikalisch, sondern auch in einer literarischen Weise zu bedienen.

Beachtenswert ist an dieser Veröffentlichung, dass sich auf ihr nicht nur die üblichen, politisch eindeutigen Vertreter wie „Waffenruhe“ und „Seuchensturm“, einfinden, sondern ein kleines, aber feines „Who is Who“ des mit reaktionär-faschistischen Ideologien flirtenden Undergrounds. Etwa „TSIDMZ“, „Barbarossa Umtrunk“ oder die niederländischen Neofolker „Strydwolf“, die ansonsten ihre Heimat alle auf dem deutschen Label „Skull Line“ haben, das Harald Jarosch in Eigenregie betriebt und das so ziemlich alles, was sich in der ästhetischen und inhaltlichen Grauzone bewegt, auf den Markt bringt. Was sich auf dieser Compilation erstmalig im Jahr 2010 in all seiner Deutlichkeit zeigt, ist, dass es zwischen dem extremen Rand der Szene und jener, sich selbst stets als „unpolitisch“ aufführenden „Mitte“ zu keinem Zeitpunkt eine Trennung gab und das es zu diesem extrem rechten Rand zu keinem Zeitpunkt Berührungsängste gab oder gibt. Weder von Seiten der Künstler, noch der der RezipientInnen. Das derartige Veröffentlichungen keine singuläre Erscheinungen darstellen, hat das Jahr 2013 bewiesen, als „Castellum Stoufenbourc“ sein 5-jähriges Bestehen mit einer Kassetten-Veröffentlichung feierte, auf der sich wiederum ein Gros der bereits erwähnten Künstler unter einem Dach vereint. Dies wäre nicht weiter interessant, hätten nicht viele der Künstler mittlerweile bei einem anderen großen Label veröffentlicht, dass per se den Status des „unpolitischen Akteurs“ für sich pachtet: „Lichterklang“.

Das Label „Lichterklang“ und der dazugehörige Mailorder erblicken mit ihrem Angebot 2010 das Licht der Öffentlichkeit und schließen damit unmittelbar eine kurzzeitig existierende Lücke, die das Verlassen Stephan Pockrandts und die Auflösung des durch ihn geführten Labels „Eis & Licht“ hinterlassen hatten. Das von Michael Kuhlen von Gelsenkirchen aus geführte Label knüpft hierbei unmittelbar an die Tätigkeiten Pockrandts an, was sich am deutlichsten daran zeigt, dass Kuhlen von Pockrandt die Webadresse www.neofolk.de übernahm, über die er seitdem sein Label und den Mailordner im Netz präsentiert und laufen lässt. Es ist auch das Jahr 2010, in dem „Lichterklang“ seine erste Veröffentlichung auf den Markt bringt. Es handelt sich hierbei um die CD „Heimkunft“ der weißrussischen Band „Svalbard“, die zuvor eine kleinere Veröffentlichung mit dem Namen „Treue Jugend Vaterland“ auf dem russischen Label „Der Angriff“ hatte. Auch wenn die politische Verortung von „Svalbard“ und dem Label „Der Angriff“ sich durchaus schwierig gestaltet und eine Einordnung als reaktionär sowohl Band und Label in einer zum Teil nicht gerechtfertigten Weise pauschalisieren würden, so zeigt diese Veröffentlichung bereits, dass dem Label „Lichterklang“ die politische Orientierung ihrer KünstlerInnen ziemlich egal ist. Diese Attitüde des Labels zeigt sich spätestens mit der vierten Veröffentlichung, in der Lichterklang das „Spreu & Weizen“ Album „Gott vergeltʼs“ in zwei Editionen herausbringt. Wie oben angemerkt steckt Sig P., Mastermind hinter „Spreu & Weizen“, hinter den obig mehrmals angeführten Projekt „Seuchensturm“. Weiters zeichnet er sich für die graphische Gestaltung vieler „Castellum Stoufenbourc“-Veröffentlichungen verantwortlich. Um seine Gesinnung machte Sig P. hierbei nie großen Hehl. So findet sich ein ausführliches Interview mit ihm auf der Seite der rechtsextremen Sonnenritter-Organisation.4 Des Weiteren ziert das Abbild des rumänischen Faschistenführers Corneliu Codrenau ein später bei „Castellum Stoufenbourc“ veröffentlichtes T-Shirt.

Der Flirt zwischen dem Label „Lichterklang“ und den rechtsaußen Akteuren des Labels „Castellum Stoufenbourc“ sollte jedoch kein Einzelfall bleiben. Mit „Verny 1826“ findet im Jahr 2013 ein weiteres bekanntes Gesicht seinen Weg zum Label. „Verney 1826“ hat mittlerweile zwei Alben über das Label veröffentlicht und ist bei allen Compliations von „Castellum Stoufenbourc“ vertreten, was zwar nicht zwangsläufig auf die Gesinnung des Künstlers schließen lassen muss, jedoch eines deutlich zeigt: Dass ihm die Nähe zu rechtsextremen Akteuren eine gute Nähe ist.

Neben Projekten wie „Niemandsvater“, deren politischer Charakter eindeutig nicht mit der extremen Rechten in Bezug steht und anderen KünstlerInnen, finden neben den „Castellum Stoufenbourc“-Akteueren immer wieder andere KünstlerInnen auf dem „Lichterklang“-Label Heimat, die sich als KünstlerInnen immer wieder in den reaktionärsten Ideologien gesuhlt haben. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die 2012 veröffentlichte CD „MMI – MMV“ des Projekts „:WERRA:“, hinter dem maßgeblich Marcel Petri steckt, der in Bands wie „Allerseelen“, dem extrem rechten und auf einer NPD-Schulhof-CD vertretenden Projekt „Halgadom“ oder der Rechtsaußen-Kapelle „Von Thronstahl“ in die Saiten schlug.

Ihren Höhepunkt findet die Zusammenarbeit zwischen „Lichterklang“ und „Castellum Stoufenbourc“ im Jahr 2013, als unter der Katalognummer LK019 das „Waffenruhe“-Album „War Rituals“ veröffentlicht wird, hinter dem, wie bereits erwähnt, der Labelbetreiber von „Castellum Stoufenbourc“ selbst steckt. Das Label mag, sowohl mit seiner Musik, seiner Ästhetik und auch seiner uneindeutigen politischen Ausrichtung, selbst in der Szene immer eine begrenzte Anzahl an RezipientInnen bedient haben. Dies zeigt sich nicht zuletzt in den oftmals nur hundert Stück umfassenden Auflagen. Was sich aber an „Castellum Stoufenbourc“ und seiner engen Verstrickung mit dem wesentlich größeren Label „Lichterklang“ zeigt, ist, dass es in der Szene zwischen ihren extremen Rändern und den scheinbar gemäßigteren AkteuerInnen nicht nur keine Berührungsangst gibt, sondern das menschenfeindlicher Extremismus als Teil der Gemeinschaft jederzeit Akzeptanz fand. Es verdeutlicht eben auch, wie eine Szene, die stets jegliche – von woher auch kommende – Kritik als „linke Diffamierung“ wegwischte und sich ihr so verweigerte, auf dem rechten Auge mehr als blind ist. Das Wegschauen ist in diesem Fall dem regen Austausch längst gewichen. Gehen wir davon aus, dass das Nichtkritisieren einer Position oder ideologischen Vereinahmungsversuchen immer eine Akzeptanz nicht nur der ProtagonistInnen bedeutet, sondern mehr noch der von ihnen getragenen Ideologien, so kann an dieser Stelle nur noch festgehalten werden, dass der sich als „nicht politisch“ bezeichnende Teil der Szene längst von Grund auf mit faschistischen und reaktionären Ideen und Ideologien durchzogen ist. Und während die scheinbar „Unpolitischen“ gemeinsam mit den Rechtsradikalen deren „krassen“ Sound feiern, freuen diese sich, dass sie es geschafft haben in einer Subkultur eine rechtsextreme Hegemonie zu installieren, in der sich Nazis, FaschistInnen, Identitäre, Nationale AnarchistInnen und anderen ApologetInnen der menschenfeindlichsten Ideale ein gemütliches Stelldichein geben können und dabei auf Kritik der „ach-so-faschistischen Linken“ zu stoßen.

1Das Vorgängerprojekt von Marco W. aka. Signore Palandino aka. Sig. P., der sich danach dem Projekt „Spreu & Weizen“ widmete. „Seuchensturm“ jedoch für die Compliation, die „Castellum Stoufenbourc“ zum fünfjährigen Jubiläum rausbrachte, kurzzeitig wiederbelebte.

2Es sind nur männliche Interpreten auf dem Label veröffentlicht.

3Vgl. hierzu jede Veröffentlichung der Band „Waffenruhe“, einzusehen unter: http://www.discogs.com/artist/1044081-Waffenruhe