Redebeitrag Demo Schnellroda 05.11.2016

Hey Götz!

Wir haben lange überlegt, wie wir diese Rede an dich beginnen.

Nicht, weil wir nicht jede Menge über dich zu erzählen hätten, sondern, weil uns einfach keine passende Anrede für dich eingefallen ist.

Da du aber wahrscheinlich jetzt gerade wieder in deinem Vorgarten stehst und innerlich vor Wut schäumst, dass diese „Linken“ sich schon wieder anmaßen, durch „deinen“ Ort zu laufen, sagen wir einfach mal in deine Richtung ein lautes „Alerta!“

Über all die Jahre hattest du deinen Frieden in Schnellroda. Konntest von dort aus ganz unverkrampft deinem und dem Hass der Menschen, die du um dich geschart hast, freien Lauf lassen.

Konntest Bücher und Hefte mit deinen kruden, menschenverachtenden Ideen anfüllen, ohne das sich jemand für dich groß interessierte. Die paar Journalist*innen, die sich ab und an zu dir vorgewagt haben, um darüber zu berichten, was sich auf deinem Hof an Reaktionären versammelt, die konntest du verschmerzen.

Und jetzt? Ja jetzt, da läuft schon wieder, parallel zu einer Veranstaltung deines IfS, eine Gruppe von Menschen durch Schnellroda, um darauf hinzuweisen, um was für gefährliche Menschen es sich bei dir und deinesgleichen handelt. Um darauf hinzuweisen, dass deine selbsternannten Akademien Orte sind, an denen sich die jungen und alten Rechten versammeln und ihre Netzwerke weiter ausbauen. Sich gegenseitig in ihrem Hass und den imaginierten Ängsten vor dem Untergang Europas bestätigen.

Götz, du merkst es schon, mit dieser Ruhe ist es jetzt endgültig vorbei!

Wir müssen zugeben, du hast es in den letzten Jahren echt zu etwas gebracht. Und versteh das bitte nicht als Kompliment. Wir meinen das nicht aus Respekt, sondern vielmehr aus Ärger darüber, dass Ideologien, wie sie das IfS vertritt, von manchen Menschen als Lösungen für die komplexen Probleme unsres derzeitigen Zusammenlebens angesehen werden.

Wir können uns noch erinnern, da hast du selbst, im Alter schon längst den Jahren der Rebellion entwachsen, mit deiner „Konservativ Subversiven Aktion“ versucht, einen auf Revolution zu machen. Lustig war das ansehen, wie du da mit deinen drei bis vier Getreuen Banner entrollt hast und Flugzettel geworfen hast. Das war ganz schön peinlich, musst du dir sicher selbst auch eingestehen.

Aber wir wollen hier nicht soweit gehen, dir zu unterstellen, du würdest aus Vergangenem klüger. Denn komm, wir alle wissen noch um dieses unglaublich peinliche Buch „Tristesse Droite“. Wo du und die Ellen und der Semlitsch so einen auf Christian Kracht & Dandys machen wolltet und am Ende nur ein völlig belangloses Gespräch rauskam, das du dann zu allem Übel auch noch zwischen zwei Buchdeckel gepresst hast.

Götz, es hätte so lustig mit dir sein können und wir hätten uns alle fix noch über zwei bis drei 3Sat Reportagen von dir gefreut, in denen du dann wieder vor deinem Hitlergruß-Gartenzwerg von der kommenden konservativen Revolution geträumt hättest.

Aber ja, wir alle kennen diesen Spruch: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Und in deinem Fall, welch bösartigem Zufall dies auch immer geschuldet sein mag, bist du in deinen alten Tagen noch auf die Person Martin Sellner gestoßen.

Jenen österreichischen Egomanen, aus den Reihen der „Identitären Bewegung“. Ja, wir wissen, es ist unfair jetzt wieder aufzuwärmen, dass du der Identitären Bewegung am Anfang ziemlich kritisch gegenüber gestanden hast. Klar, ideologische Differenzen sagst du. Aber seien wir ehrlich: Es ist schon bitter, wenn ein paar Anfang Zwanzigjährige das an Aktivismus umsetzen können, was eins selbst so gerne mit seiner „Konservativ Subversiven Aktion“ geschafft hätte. Dumm aber bist du nicht Götz und, das müssen wir dir lassen, du warst klug genug, dich diesen jungen Faschisten anzubiedern. Da durfte der Martin mit stolz geschwellter Brust ein paar Videos auf deinem Bauernhof drehen, beim ZDF mal in die Kamera linsen und dafür dann Artikeln über die bösen Linken auf der Webseite der Sezession veröffentlichen. Darf er eigentlich Abends bei deiner Märchenonkelstunde auch mal auf deinem Schoß sitzen?

Ein guter Tausch war das alles in allem, Götz, rennen dir die Faschistinnen und Faschisten der IB mittlerweile bei jedem Seminar die Bude ein.

Und auch, wenn deine Schriften immer noch den gleichen alten Haufen an Hass verbreiten, so ist doch die Inszenierung deiner bitteren reaktionären Bude durchaus etwas modernisierter geworden.

Letztlich wäre das alles gar nicht schlimm. Du und die paar Identitären, die versprengten Reaktionären und deine Ziegenschar. Wenn es nach uns ginge könntet ihr euch isoliert auf deinem Hof bis zum letzten Tag auf Erden gegenseitig vom soldatischen Heldentod und der Pflicht für sein Vaterland zu Sterben vorschwärmen. Kein Ding!

Aber du musstest ja in den letzten Jahren dazu übergehen, überall zu reden, wo dir irgendwer ein Mikrophon ins Gesicht gehalten hast. Durftest voll von Pathos bei Pegida, Legida und wie sie alle heißen erzählen, dass dieses Land dem Untergang geweiht ist und sowieso alles den Bach runtergeht.

Du hast dein kleines Stück vom großen Kuchen des Aufstiegs der rechtsextremen Parteien in Europa abbekommen. Denn auf einmal gab es mit dem Höcke und dem Poggenburg zwei Typen, die selbst in ihrer reaktionären Partei nochmal einen Drauf setzen. Zwei Politiker in geistiger Einheit mit Schnellroda, die es doch wirklich in ein Parlament geschafft haben.

Schwamm drüber, dass die AfD unter Bernd Lucke dich noch nicht als Mitglied haben wollte, jetzt, ja jetzt, da kannst du ja so tun, als wärest du der total intelligente Stichwortgeber dieser neuen Parlamentarier. Die graue Eminenz im Hintergrund. Und Götz, zumindest die Medien haben dir diesen Job teilweise wirklich abgenommen. Wir hoffen sehr, du hast dich bei den Wahlparties zusammen mit deinen neuen Identitären Freunden benommen und nicht dem Björn die Schnittchen weggefuttert hast!

Götz, wo soll das mit dir nur noch hinführen? Es hat zwar etwas länger gedauert, aber da wir mittlerweile auch leider davon ausgehen müssen, dass sich deine Seminare zu wichtigen Vernetzungstreffen aktueller rechtsextremer Organisationen entwickelt haben, müssen wir echt sagen: Wir kommen jetzt immer wieder!

Und hey, es tut uns gar nicht leid, dass du dann zwar so tust, als würde dich das gar nicht stören, dann aber im Nachhinein einen wutschäumenden Artikel schreiben musst.

Götz, es war schon immer ziemlich uncool menschenfeindliche Ideologien zu verbreiten. Und wir finden das auch bei dir sowas von verdammt uncool, dass wir nun einfach hier sind, um dir das ganz persönlich mitzuteilen. Dass es hier keinen Platz gibt für deinen Hass! Für deine Verachtung und für deine reaktionären Wunschträume!

Wir haben das schon ganz am Anfang gesagt, aber wir wiederholen uns gerne Götz: Alerta Antifascista!

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