Körper, Popkultur und Normation(en)

Zurück zu Teil Eins: Ideologie, Körper und die Ungleichheit der Körperlichkeiten

Der Körper ist, in seinem Sein, also Objekt und Subjekt zugleich, Ort, in dem sich Ideologie konkret verfestigt. Sie durchströmt und formt zugleich den Körper und seine direkte Körperlichkeit. In dieser verkörperten Ideologie grenzen Gegenwart, im Sinne eines direkten Daseins, und Ideologie unmittelbar aneinander an. Der Körper ist Bastion der Ideologie; die Körperlichkeit immerwährende Performance, ähnlich zu Erika Fischer-Lichtes Vorstellung einer „Ästhetik des Performativen“, in der sich Kunst, beziehungsweise Popkultur, soziale Lebenswelt und Ideologie amalgamieren.

Peter Fuchs folgend, ist Pop nicht über Themen organisiert, sondern fokussiert und strukturiert eine Gegenwärtigkeit. Zentrum und Fixstern dieser Gegenwärtigkeit ist immer der konkrete Körper, da ebendieser in seinem Modus der Existenz als etwas Unmittelbares zur Welt steht: „Gegen den Körper kann nicht andiskutiert werden“1.

Der Wille einen neuen Menschen zu erschaffen, wie er sich in vielen Ideologien findet, bedarf letztlich immer eines: Der Transformation des individuellen Körpers.

Pop sind in diesem Sinne deswegen alle Beiträge, egal in welcher Form und über welchen Kanal sie ihre Rezipient*innen erreichen, die durch ihre diskursive Formation die Vorraussetzungen als Diskursartefakte erfüllt haben. Pop ist immer als eine Gesamtheit von divergierenden Aussagen zu verstehen. Popkultur ist eine sich stetig verändernde, weil immerzu Ergänzung findende Masse an Artefakten, auf die ein Gros einer Gemeinschaft, die technischen Vorraussetzungen erfüllend, zugreifen kann. Das Buch über den „Großen Austausch“ ist dergestalt ebenso Popkultur, wie es der aktuelle Vlog der Identitären ist, gleichfalls wie die neuste Folge von „South Park“ oder der Film „300“.

Ein popkultureller Diskurs von Rechts, dessen Ziel die Generation einer Kulturhegemonie von Rechts ist, ist in seiner Zielsetzung immer zuerst und dominierend ein Diskurs über den Körper und dessen körperliche Formation. Es sind, um dies zu wiederholen, letztlich nicht die Ideen, sondern die reaktionär strukturierten Verkörperungen der Ideologie, die die kulturelle Hegemonie formen.

Das Gebaren und die Aktionen der Identitären zumindest teilweise einem „vorpolitischen“ Raum zuzuordnen, weil sie sich in einem Raum des popkulturellen Diskurses vollziehen, ist deswegen falsch, da es diesen vorpolitischen Raum aus einer systemischen Sicht auf gesellschaftliche Kommunikation, als deren Teil Popkultur begriffen werden muss, nicht gibt. Mehr noch, diese Zuordnung ist – als vorgebliche Analyse der Phänomene – immer auch ein Herunterspielen ihrer Gefährlichkeit und der Zugkraft der Ideologie selbst.

1Peter Fuchs zitiert nach: Kiefer, Bernd; Stiglegger, Marcus: Pop & Kino. Von Elvis zu Eminem, Ventil Verlag: Mainz, 2004, S. 7

 

Weiter mit Teil Drei: Radikalisierung der „Neuen Rechten“ als radikale Popkultur

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