Ideologie, Körper und die Ungleichheit der Körperlichkeiten

Zurück zum Inhaltsverzeichnis: Hier

Dass Ideologie und (Pop-)Kultur irgendwie zusammenhängen, dürfte ein Allgemeinplatz sein. Denken wir an den Nationalsozialismus, dann denken wir schnell an so etwas wie eine „faschistische Ästhetik“. Was genau diese sein soll, ist zwar definitorisch mehr als offen, aber im geteilten Missverständnis fusionieren in unser aller Imaginationen blonde Bauernkörper mit riefenstahlartig gestählten Athleten und schwarzgekleideten Soldaten zu einem Bild des großen Schreckens. Dass diese Bilderwelt eine ist, die die Nationalsozialist*innen stark selbst erschufen und prägten und immer auch fokussiert, nämlich in Form der damals vorhandenen Massenmedien, in den popkulturellen Diskurs einspeisten, vergessen wir dabei allzu oft.

Was uns die Bilder, die das Beispiel des NS hervorruft, aber umso eindringlicher zeigen, ist, dass im Zentrum der popkulturellen Diskursivität von Ideologie zumeist immer ein Objekt das Zentrum bildet: Der Körper.

Ideologie abstrahiert, normiert, kategorisiert und erfindet, immer ausgehend vom Körper, Zuteilungen und Ordnungen, die die Körper, die Körperlichkeiten und die Performanzen der Körper trennen. Hautfarben, Geschlechter, sexuelle Orientierungen, Ausformungen des Körpers und dessen freiwillige oder zwangsweise vollzogene Modifikationen, sie alle manifestieren sich letztlich konkret im Körper der unmittelbar in und zur Welt steht und trennen damit die Menschen in Ordnungen der Ungleichheit, indem sie die imaginierten Ordnungen hierarchisieren und damit die Körper wertend voneinander scheidet.

Ideologie ist deswegen dominierend immer als Frage zu begreifen, wie sie den Körper in den Diskurs stellt: Nicht „Wie wollen wir leben?“, sondern vielmehr: „Mit welchen Körpern wollen wir (zusammen) leben?“.

Nicht die Idee selbst formt den ideologisierten Menschen, sondern der Körper, der diese Ideologie in sich „verkörpert“ hat. Popkultur, scheinbare wissenschaftliche Diskurse, sie alle bilden letztlich eine Gesamtheit des populären, weil alle Menschen umfassenden, Diskurses, in dem über die verschiedenartigsten Artefakte diese Körper diskutiert werden.

Weiter mit Teil Drei: Körper, Popkultur und Normation(en)

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>